Dinge | über | Leben: Ein bewegendes Erinnerungsmuseum auf Mannheims Bühne


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Erinnerung wird lebendig: Dinge | über | Leben im Studio Werkhaus
Ayşe Güvendirens Inszenierung Dinge | über | Leben widmet sich Mevlüde Genç – einer Frau, die nach dem rassistischen Brandanschlag von Solingen 1993 fünf Angehörige verlor und dennoch bis zu ihrem Tod als Friedensbotschafterin für Menschlichkeit und Versöhnung eintrat.
Ein theatrales Museum gegen das Vergessen
Auf der Bühne entsteht kein monumentales Denkmal, sondern ein poetischer Erinnerungsraum. Geschichten, Lieder und materielle Zeugnisse verbinden sich zu einer Recherche über Verlust, Migration, rechten Terror und die Kraft gelebter Verantwortung. Die Dramaturgie fragt nicht nur, woran sich eine Gesellschaft erinnert, sondern auch, welchen Dingen, Stimmen und Biografien sie Bedeutung verleiht.
Zwischen persönlicher Geschichte und bundesdeutscher Zeitgeschichte
Die Regie begegnet Mevlüde Genç mit großer Sensibilität. Im Zentrum steht nicht allein die Tat, sondern ein ganzes Leben: die alltägliche Widerständigkeit, die Fähigkeit zur Vergebung und der Entschluss, Hass nicht zum letzten Wort werden zu lassen. Inspiriert von Orhan Pamuks Museum der Unschuld entwickelt die Inszenierung eine eigene Form dokumentarischer Bühnenkunst.
Schauspiel, Klang und Bühnenbild als Erinnerungsarbeit
Bruno Akkan, Maria Helena Bretschneider und Pablo Weller de la Torre gestalten den Abend mit einer konzentrierten Schauspielkunst, die leise Töne ebenso ernst nimmt wie die historischen Brüche. Bühne und Video öffnen einen sinnlichen Erfahrungsraum; Musik und Sounddesign von Torsten Knoll verleihen den Erinnerungen eine nachhallende Akustik. So entsteht eine Theateratmosphäre, in der kleine Gesten und konkrete Gegenstände zu Trägern großer Geschichten werden.
Eine gefeierte Inszenierung mit klarer Haltung
Die Presse beschrieb den Theaterabend als poetisch sensible Suche und als zarte, lebendige Auseinandersetzung mit einer Geschichte von Gewalt und Verantwortung. Die Inszenierung wurde 2026 zudem für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie Genrespringer nominiert.
Fazit: Ein Bühnenerlebnis, das nachwirkt
Dinge | über | Leben verbindet Recherchetheater, Erinnerungskultur und Schauspiel zu einem eindringlichen Bühnenerlebnis. Wer Theater als Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung und menschlicher Nähe erlebt, findet hier einen Abend, der lange über den Schlussapplaus hinaus weiterarbeitet.
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